Kleine oder grosse Sorgen?

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Daniel Pellegrini

Wer kann sich noch erinnern, als die Eltern nur ein Kopfschütteln übrig hatten wegen der Musik, die man als Teenie hörte. Nun, mir geht es sehr ähnlich heute: ich kann einfach keine Selena Gomez mehr hören. Bitte mach, dass dies aufhört!

«Wie erzieht man Teenager?» Da gibt es kein Richtig oder Falsch, aber meistens in den Augen der Teenies ist es falsch. Ab und zu ist es einfach zum Verzweifeln und manchmal überraschen sie dich, weil sie bereits wie Erwachsene agieren und entscheiden. So helfen sie dir mal beim Kochen, aber sein eigenes Zimmer aufräumen geht gar nicht. Herrlich sind auch noch die unverdorbenen Ideale, welche alle 5 Minuten wechseln können.

Meine beiden Kids sind 12 (Mädchen) und 11 (Junge), also noch im «Pre-Teen-Alter». Aber ich glaube manchmal, dass sie bereits voll drin sind in der Teenie-Phase. Des Öfteren ertappe ich mich, wenn wieder mal etwas nicht rund läuft und sie versuchen ihren Kopf durchzusetzen, wie ich selbst als Teenager war: genau gleich! Als ich mit 14, mal wieder eine meiner Stimmungsschwankungen hatte und beim Coiffeur entschied dies auch über meine Frisur auszudrucken, so war es im Nachhinein eigentlich nur verständlich, dass meine Mutter den Tränen nahe war. «Der Bub versaut sein ganzes Leben». Nun aus mir ist doch noch etwas Anständiges geworden, wofür ich meinen Eltern sehr dankbar bin. Mit viel Geduld haben sie mich grossgezogen und viele meiner verschiedenen Phasen einfach über sich ergehen lassen. Instinktiv wussten sie, dass sie vor allem durch das Vermitteln von den für sie wichtigen Wertvorstellungen mich für immer positiv beeinflusst haben.

Aber, seien wir mal ehrlich, wer hat sich nicht schon gefragt, was wohl so spannend sein kein irgendwelchen Nonsens-Labernden-YouTubern wie besessen zuzuhören. Meine Tochter kann dies stundenlang und wird nicht mal müde dabei. Mein Sohn verschwindet dafür in irgendeine Fantasy-World von «Clash Royale» oder spielt online gegen Andere Fussball auf der Spielkonsole. Was haben wir eigentlich gemacht? Der Fernseher hatte gerade mal 8 Sender und um 21 Uhr lief Denver Clan – den hat meine Mutter nie verpasst. Natürlich war da noch Donkey Kong, als LCD-Spiel mit Monochrombildschirm (der Vorgänger der heutigen Handyspiele?). Das hatte ich bestimmt 20 mal fertig gespielt und manchmal hatte ich es unter dem Kopfkissen versteckt und sobald meine Mutter aus dem Zimmer war, hat mich das Spiel in den Schlaf begleitet.

Ich versuche auch heute irgendwie mit dem Technologiewandel mitzuhalten: mein Handy platzt vor Apps, die ich heruntergeladen und ausprobiert habe. Bei «Snapchat» habe ich dann aufgegeben. Das Prinzip leuchtet mir zwar irgendwie ein, aber das ist nix für mich. Auch sehr spannend sind die Chatverläufe der Kids, nachfolgend ein Beispiel um 7.55 Uhr an einem Mittwochmorgen (die über 100 Smileys in allen erdenklichen Variationen habe ich aus Platzgründen weggelassen):

«wm»
                       «lw wmds»
«kp»
                       «bn hdgfg»
«ggg»

Das übersetzt sich so:

«was machsch»
                        «langwilig was machsch du so»
«kein plan»
                        «bis nachher han dich ganz fescht gärn»
«ganz gross grins»

Fünf Minuten später treffen sich die beiden dann in der Schule. Wenigstens ist die Textsprache supereffizient, das muss ich ihnen lassen, aber wieso machen sie das überhaupt, wenn man sich dann gleich in der Schule gegenüber steht in Fleisch und Blut?

Ich bin davon überzeugt, dass die heutigen Eltern von Teenagern viele Herausforderungen haben vor allem in Bezug auf die Technologie, welche meine Eltern damals nicht hatten. Die Gefahr der «Handysucht» scheint eminent zu sein. Wie reagiert man richtig?

Mami und Papi spielen in der Medienerziehung der Teenies eine zentrale Rolle und zwar als Diskussionspartner. Die Meinung der Eltern ist wichtig für die Jugendlichen, auch wenn dies manchmal nicht so scheint. Um sich seine eigene Meinung bilden zu können, braucht es die Auseinandersetzung mit einer erwachsenen Person. Es muss lernen seine eigenen Ansichten an unseren Überzeugungen, Normen und Werten messen zu können. Der gesunde Menschenverstand, Respekt und Erziehung haben auch in der virtuellen Welt ihren Platz.

Man sagt gerne mal: «Kleine Kinder – kleine Sorgen. Grosse Kinder – grosse Sorgen» Das ist Quatsch. Zu jeder Lebenssituation hat man immer die „passenden“ Sorgen ???? – diese sind weder klein noch gross, man muss sich einfach als Eltern adaptieren und ebenfalls mitlernen.

«bb»