Keine bürokratischen Hindernisse für Freiwilligenarbeit

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Der Fraktion FDP.Die Liberalen/CVP liegt Freiwilligenarbeit sehr am Herzen.

Freiwilligenarbeit ist ein zentraler Pfeiler unserer Gesellschaft: Sie hält die Gesellschaft zusammen und macht sie erst lebenswert. Gerade bei unserer Staatsform mit direkter Demokratie und (relativ) schlankem Staat, spielt das Milizsystem eine wichtige Rolle und so ist auch die Freiwilligenarbeit ein tragendes Element. Die Freiwilligenarbeit ist ein Teil von uns und wir sind ein Teil von ihr.

Die Freiwilligenarbeit organisiert sich in Vereinen, losen Gruppen, Ehrenämtern oder Einzelinitiativen. Diese Organisationen bestehen entweder schon sehr lange oder werden nur für ein Projekt aufgestellt. Entsprechend vielfältig sind dann auch die Möglichkeiten an finanziellen, fachlichen und personellen Ressourcen.

Doch diese Organisationen sind heute unter Druck: In der unserer beschleunigten Zeit wird die Bedeutung der Freiwilligenarbeit oft heruntergespielt und vernachlässigt oder gar vergessen. Vereine passen nicht mehr richtig in den Zeitgeist von heute – man rennt heute lieber seiner Selbstverwirklichung nach und optimiert seine Gewinnmaximierung. So kämpfen viele Vereine heute mit Mitgliederschwund. Denn auch das Freizeitangebot im Vergleich zu früher massiv abwechslungsreicher geworden. Hinzu kommen Mobilität und Anonymität in urbanen Regionen, welche den Effekt verstärken.

Es ist heute also nicht mehr selbstverständlich, dass sich Leute in irgendeiner Form für die Allgemeinheit engagieren. Dabei übernehmen solche Organisationen neben dem gesellschaftlichen Teil auch einen gewaltigen Teil an öffentlichen Aufgaben wahr, wofür der Staat nicht aufkommen könnte, wenn er dies alles selber tragen müsste.

Und so kommt die Stadt Uster nun ins Spiel: Sie hat in ihrer offiziellen Funktion so dann die Verantwortung, dieses Konstrukt nach besten Kräften zu unterstützen und den Organisationen möglichst wenig Steine in den Weg legen. Dies kann sie aktiv mit finanzieller Unterstützung oder gesellschaftlicher Anerkennung oder dann “passiver” tun, indem sie die Vereine einfach möglichst machen lässt. Und da sind die besagten bürokratischen Hindernisse ein Element davon.

Denn wir alle wissen: Bürokratie wächst. Das ist ein Naturgesetz. Dies muss nicht einmal bösartig geschehen, denn dort, wo eine Zivilisation prosperiert, nimmt ihr Wissen zu – man kommt zu neuen technischen, gesundheitlichen und gesellschaftlichen Erkenntnissen und lässt diese in Regelungen ein fliessen, die das Zusammenleben organisieren. Wachsende Zivilisationen müssen auch mit einer grösseren Bevölkerungszahl umzugehen wissen.

Man muss der Stadt Uster aber auch zugestehen: Sie versucht an allen Enden zu helfen. Denn in den letzten Jahren ist viel gegangen, wie ich aus meiner eigenen Vereinstätigkeit selber sehen kann – auf beiden Seiten: Die Verfahren und Abläufe sind komplexer geworden – der Kanton schreibt heute auch viele mehr vor, doch die Stadt – allen voran: die Verwaltungspolizei – versucht ihr Bestes, die Prozesse einfach zu halten.

Dennoch ist immer wieder einmal an der Zeit, die bestehenden Organisationsstrukturen und Prozesse zu überprüfen und verschlanken. Vielleicht liegt auch noch mehr Potenzial im monetären Bereich. In einem Postulatsbericht soll der Stadtrat uns den aktuellen Stand und die weiteren Optimierungsmöglichkeiten aufzeigen. So schafft er auch Transparenz, die gewisse Verzerrungen in der Diskussion zum Thema der letzten Zeit abbauen helfen wird.

In diesem Sinne schicken wir das Postulat gerne Richtung Stadtrat und sind gespannt auf seinen Bericht.

Für die Fraktion:

Matthias Bickel, Gemeinderat.

Uster, 8. Juni 2020.