Interview in Gewerbezeitung

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«Ich setze mich für eine klar bürgerliche Politik und für faire Diskussionen ein»

Cla Famos will nach vier Jahren als Finanzvorstand am 15. April 2018 Stadtpräsident werden. Im persönlichen Interview verrät er, was er in Uster verändern will – und was nicht.

Interview: Gerold Brütsch-Prévôt

Cla Famos, was ändert sich alles in Uster, wenn Sie am 15. April 2018 zum Stadtpräsidenten gewählt werden?

Für Uster nichts – mit mir gibt es Kontinuität, und Uster wird weiterhin einen bürgerlichen Stapi haben. Für mich sehr viel: Ich würde mich für eine spannende und schöne Aufgabe bereitmachen.

Und Ihr persönliches Wahlprogramm – wofür setzen Sie sich ein?

Ich möchte Uster weiter gestalten. Deshalb setze ich mich für gute Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Gewerbe ein, für eine gute und zweckmässige Infrastruktur und für Angebote, die unsere Stadt lebenswert und attraktiv erhalten. Ich werde mich für eine klar bürgerliche Politik und für faire Diskussionen einsetzen.

Verkehrspolitik ist in Uster ein schwieriges Thema. Der GVU setzt sich dafür ein, dass nach Uster West auch die Unterführung Winterthurerstrasse realisiert werden muss und im langfristigen Horizont die Lückenschliessung durch die Oberlandautobahn. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Es braucht beides: Die Unterführung Winterthurerstrasse kann und soll realisiert werden, sobald die Strasse der Stadt gehört. Zurzeit gehört sie allerdings noch dem Kanton und der wird dort keine Unterführung bauen. Die Oberlandautobahn hätte schon vor Jahren gebaut werden sollen.
Alles, was uns dem Ziel näherbringt, sollte auch unternommen werden. Uster West kann jetzt mit Verspätung gebaut werden.

Bei der letzten Abstimmung gaben aber nur 218 Stimmen den Ausschlag. Fast die Hälfte der Ustermer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger will die Strasse nicht. Wie gehen Sie damit als zukünftiger Stadtpräsident um?

Demokratische Entscheide und Zuständigkeiten sind zu akzeptieren. Die Strasse Uster West gehört dem Kanton, der Kredit ist gesprochen und nach dem Gang durch die Gerichte wird die Strasse wohl gebaut.

Die Dualstrategie der Stadt Uster will Uster zu einem attraktiven Wohnort machen und ein Standort mit Entwicklungspotenzial für Unternehmen sein. Wie attraktiv ist Uster für Unternehmen und weshalb?

Uster bietet eine gute Anbindung, zweckmässige Infrastruktur und mittlere Steuerbelastung. Die Lebensqualität in Uster ist sehr hoch, Familien finden hier gute Schulen: Uster ist für Arbeitnehmende und damit auch für Unternehmen ein attraktiver Ort. Klar: Wir können nicht überall mit den Grossen mithalten. Aber für kleinere und mittlere Betriebe ist Uster eine interessante Adresse.

Würden Sie gewählt, müssten Sie das Amt des Finanzvorstandes abgeben. Wie steht Uster finanziell da?

Solide. Aber es gibt Herausforderungen. Wir müssen die laufende Rechnung im Griff behalten, die jährlichen Kosten dürfen nicht stärker als Teuerung und Bevölkerung wachsen.Investitionen müssen zweckmässig sein. Und Uster wird sich nicht alles aufs Mal leisten können.

Das Amt bringt auch viele repräsentativen Aufgaben mit sich und erfordert praktisch Dauerpräsenz. Wie planen Sie diese Belastung Stadtpräsident, Familie, Freizeit, (Teilzeit-) Beruf?

Ich bin belastbar, habe eine Familie, die mir Kraft gibt und Hobbys, mit denen ich auftanken kann. Ich bin gerne «bi de Lüüt», aber natürlich kann kein Mensch überall sein. Meinen jetzigen Job als Direktor der Schweizerischen Studienstiftung würde ich abgeben.

Viele fragen sich jetzt natürlich: Halten Sie länger durch als der abtretende Präsident?

Ich mag eine gewisse Konstanz, aber ich bin kein Sesselkleber. Weniger als fünf Jahre habe ich noch nie irgendwo gearbeitet. Bei der Studienstiftung bin ich nun seit zwölf Jahren. Das wäre auch für ein Stadtpräsidium keine schlechte Spanne – nicht zu kurz und nicht zu lange.

 

Erschienen in Gewerbezeitung Uster 2. November 2017