1. August Vorrede – Jürg Krauer Gemeinderatspräsident

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Meine Damen und Herren, die Schweiz ist eine Erfolgsgeschichte! In der Vergangenheit und heute.
Aber ist sie es auch in Zukunft?

Als Familienvater, Mitarbeiter in einem Ustermer KMU und als Lokalpolitiker habe ich ein mehrdimensionales persönliches Interesse an der künftigen Entwicklung der Schweiz. In den nächsten Minuten will ich Ihnen deshalb meine Gedanken dazu aus diesen drei Perspektiven näherbringen.

Mit diesem Ausblick auf meine Rede begrüsse ich Sie, liebe Gäste, ganz herzlich zur diesjährigen Erst-Augustfeier der Stadt Uster. Speziell begrüsse ich auch unseren diesjährigen Hauptredner Herr Peter Grünenfelder, Direktor von Avenir Suisse, die diversen nationalen, kantonalen und kommunalen Politiker und Politikerinnen, sowie den Organisator der diesjährigen Feier, den Präsidenten des Quartiervereins Kirchuster, Herr Silvio Foiera. Für die Organisation dieser schönen Feier möchte ich dem Quartierverein Kirchuster ganz herzlich danken. Ich denke, dies ist ein Applaus wert.

Vielen herzlichen Dank aber auch Ihnen, dass Sie heute hier anwesend sind.

 

Die Schweiz ist ein Erfolgsmodell und wir können uns glücklich schätzen, dass wir in diesem schönen Land leben dürfen.

Die Schweiz ist aber auch ein Land, welches bekanntlich nicht mit grossen Vorkommen von Bodenschätzen gesegnet ist. In einem solchen Land wird der Erfolg hauptsächlich, wenn nicht sogar ausschliesslich, durch die Menschen bestimmt und definiert. Der Rohstoff der Schweiz sind demzufolge sämtliche Einwohnerinnen und Einwohner unseres Landes.

Die Arbeitsmoral der gesamten Schweizer Bevölkerung, der Pioniergeist von vielen erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmern, gepaart mit den liberalen Grundsätzen, haben unser Land in den letzten Jahrzehnten vorwärts gebracht. Sie haben die Schweiz zu dem gemacht, für was unser Land heute steht: Freiheit, Sicherheit, Wohlstand und Stabilität. Diese Eigenschaften sind, und davon bin ich persönlich überzeugt, der Schlüssel für die Fortschreibung der Erfolgsgeschichte der Schweiz.

Auf Basis dieser Eigenschaften sind einige Errungenschaften entstanden, welche die heutige Schweiz entscheidend prägen: Unser duales Bildungssystem mit unseren Hochschulen und Forschungseinrichtungen, unsere hervorragende und zuverlässige Infrastruktur, die vielfältige KMU-Landschaft als Rückgrat unserer wirtschaftlichen Entwicklung und nicht zuletzt der Ruf der Schweiz als ein verlässlicher Partner für sämtliche Länder dieser Welt.

Diese Erfolgsfaktoren gilt es zu bewahren. Sie garantieren uns eine erfolgreiche Zukunft.

Vor uns allen liegen diverse sehr grosse Herausforderungen: Klimawandel, Energieknappheit, Fachkräftemangel, insbesondere in der Industrie und im Bildungswesen, die dringend notwendige Sanierung der Sozialwerke und auch des Gesundheitssystems. Zudem steigen die Zinsen.

Und zusätzlich wurde vor ein paar Monaten die friedliche europäische und internationale Zusammenarbeit einseitig aufgekündigt und damit wurde die Freiheit und die Demokratie angegriffen. Eine geopolitische Herausforderung mit heute unbekanntem Ausgang.

Alle diese Herausforderungen können wir nicht wegdiskutieren, diese Probleme sind real und müssen zeitnah erfolgreich gelöst werden.

Und es liegt an uns Schweizerinnen und Schweizer, diese Probleme erfolgreich zu lösen. Und ich sage bewusst Schweizerinnen und Schweizer, denn in der Krise lösen sich internationale Partnerschaften und Verträge oft in Luft auf, in der weltweiten Krise schaut jeder für sich selbst. Corona hat dies bewiesen.

Martin Scholl, der bald ehemalige CEO der Zürcher Kantonalbank und Hauptredner am letztjährigen Ustertag hat es in einem Interview in der Neuen Zürcher Zeitung vor gut zwei Monaten treffend formuliert:

„Denn eines ist klar: Die Europäer haben in der Pandemie unsere Masken blockiert, sie werden auch die Energie blockieren, wenn es hart auf hart geht. Daher muss die Schweiz autonomer werden und Projekte vorwärtsbringen…“
NZZ, 2.06.2022

Wir sind also auf uns allein gestellt. Dabei haben wir aber gute Karten in der Hand. Denn Innovationen haben in der Schweiz eine lange Tradition, ja wir sind sogar Innovationsweltmeister. Wer, wenn nicht die Schweiz ist prädestiniert, ausgereifte Lösungen zu finden, technologische Fortschritte zu erzielen und Projekte vorwärtszubringen.

Innovationen entstehen in der Industrie, in den KMUs, in Denkfabriken und in den Labors der Hochschulen. Die Stärke der Schweiz ist, alle diese Akteure zusammenzubringen und zu vernetzen.

Die politischen Entscheider und Entscheiderinnen müssen hierbei grösstmögliche Freiheit zulassen. Denn der Wohlstand und die Innovationskraft der Schweiz darf nicht durch eine ideologisch geprägte kurzsichtige Politik gefährdet werden! Damit wir die Schweiz weiterentwickeln und uns insbesondere vorbereiten können auf die vorhin genannten Herausforderungen muss die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz zwingend erhalten bleiben. Diese notwendige Entwicklung kostet Geld! Und dieses muss erst verdient werden. Nur eine funktionierende und vielfältige Privatwirtschaft kann diese zukunftsträchtige Schweiz finanzieren.

Aber auch der Staat muss in die Pflicht genommen werden. Der Staat darf die Unternehmensfreiheit nicht einschränken, sondern muss mit guten Rahmenbedingungen dafür sorgen, dass sich die Unternehmen bestmöglich entwickeln können und nicht durch wuchernde Bürokratie und übermässige Regulierung ausgebremst werden. Unter guten Rahmenbedingungen verstehe ich natürlich auch die Versorgungssicherheit mit Strom und Gas. Eine Strom- und Gasmangellage im nächsten Winter würde die hiesige Industrie und die KMUs massiv treffen und die Versorgung mit wichtigen Gütern wäre innert Kürze nicht mehr gewährleistet.

Als Familienvater von 2 Töchtern im Kindergarten- und Primarschulalter überlege ich mir oft, in welcher künftigen Welt, in welchem künftigen Wertesystem meine beiden Töchter aufwachsen und leben werden. Denn ein grosser Beitrag an die Lösung unserer Herausforderungen wird auch die junge Generation leisten müssen.

Die meisten heutigen Menschen sind sich aber schlichtweg keine Krise gewohnt. Es ging in den letzten Jahrzehnten in der Schweiz immer vorwärts. Auf eine solche Situation, wie wir sie heute und wohl in den nächsten Jahren noch verstärkt erleben werden, ist der Grossteil der Gesellschaft nicht vorbereitet. Resilienz ist gefragt. Doch dies ist eine Fähigkeit, welche vielen heutigen Menschen leider fehlt. Und das Paradoxe daran ist, dass ein Teil der Gesellschaft dieses Verhalten schützt oder gar unterstützt.

Dies muss uns zu denken geben. Die heute grassierende Vollkasko-Mentalität, welche in den letzten zwei Jahren durch die Corona-Pandemie noch befeuert wurde, darf nicht zum Zukunftsmodell der heutigen und künftigen Generationen werden. Die Gesellschaft verrennt sich in Themen, welche unser Land wirtschaftlich und technologisch kaum weiterbringen. Wir alle müssen gemeinsam zurückbuchstabieren und uns wieder auf konkrete Lösungen echter Herausforderungen und Probleme konzentrieren.

Meine Damen und Herren, dies sind meine persönlichen Gedanken und es ist mir bewusst, dass nicht alle hier an dieser Feier gleicher Meinung sind. Und dies ist auch gut so.

Ich hoffe aber, dass wir mindestens einen gemeinsamen Nenner haben. Nämlich dass wir uns aktiv für unsere Werte und unsere Haltung einsetzen müssen. Es braucht die Partizipation von jedem einzelnen von uns. Passiv daneben stehen oder am Stammtisch in geselliger Runde wichtige Phrasen raushauen bewirkt in aller Regel kaum eine Veränderung. Nur wer aufsteht und sich damit aber auch exponiert, nur wer sich aktiv beteiligt und sich in die Diskussionen mit eigenen, persönlichen Argumenten einbringt und damit Flagge zeigt, kann etwas bewirken. Dabei sind aber Extremforderungen fehl am Platz und vergiften nur das Diskussionsklima.

Selbstverständlich, die Demokratie hat immer das Recht zu entscheiden, sie hat aber nicht immer recht! In der direkten Demokratie herrscht bekanntlich das Prinzip der Mehrheitsentscheidung. Dumm nur, wenn sich die Mehrheit entscheidet, gar nicht erst mitzureden. Dann nämlich entscheidet unter Umständen die Minderheit über die Mehrheit. Und in der Regel macht danach die Mehrheit die Faust im Sack!

Vor einem Jahr hat meine Vorgängerin im Ratspräsidium vom Gemeinderat Uster, Anita Borer, hier an diesem Rednerpult während ihrer Ansprache zur Erst-Augustfeier Sie, liebe Ustermerinnen und Ustermer aufgefordert, abstimmen und wählen zu gehen. Anita hat ihre Aufforderung gewohnt sympathisch, aber doch eindringlich formuliert. Doch leider ist ihr Aufruf offenbar an den geschlossenen Toren dieser Landihalle verstummt. Mit einer Stimmbeteiligung von weniger als 33 % bei den letzten Gemeinderatswahlen im März 2022 haben wir vermutlich sogar ein Negativrekord erreicht.

Liebe Gäste, ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie heute an diesem sonnigen Tag nur wegen den Apérohäppchen und dem Usterbräu in die Landihalle gekommen sind. Sie fallen kaum unter die 67 % Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, denen das politische System in der Schweiz, im Kanton Zürich und natürlich in unserer Stadt Uster etwas provokativ gesagt, egal ist. Dafür möchte ich mich bei Ihnen als Ustermer und auch als Lokalpolitiker bedanken. Darauf sollten wir aufbauen. Motivieren Sie Ihre Mitmenschen, dass sie es Ihnen in Zukunft gleichzutun und sich zu engagieren. Aufzustehen und sich zu exponieren braucht Mut, doch schlussendlich werden wir alle davon profitieren.

Meine Damen und Herren, wir müssen die Erfolgsgeschichte der Schweiz miteinander weiterschreiben.

Zum Schluss meiner Rede bedanke ich mich ganz herzlich für Ihre Aufmerksamkeit. Ich wünsche Ihnen weiterhin ein schönes Fest. Nach einer kurzen Pause freuen wir uns auf die Hauptrede von Herr Peter Grünenfelder.

 

1.08.2022/Jürg Krauer